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Analog verliebt

Schauspieler Lars Jung (m.) liest im Schloss Klippenstein am Valentinstag aus Liebesbriefen, musikalisch begleitet von Oksana Weingardt (l.) und Joachim Karl Schäfer (r.). Fotos: Anne König und Sebastian Hoppe
Schauspieler Lars Jung (m.) liest im Schloss Klippenstein am Valentinstag aus Liebesbriefen, musikalisch begleitet von Oksana Weingardt (l.) und Joachim Karl Schäfer (r.). Fotos: Anne König und Sebastian Hoppe

Feiern Sie den Valentinstag im historischen Schloss Klippenstein in Radeberg mit einem Lesekonzert über die schönsten Liebesbriefe aus acht Jahrhunderten. Erleben Sie, wie große Persönlichkeiten mit ihren Worten menschliche Emotionen transportieren und die Musik von Händel bis Verdi die Intimität dieser Briefe verstärkt.

Wenn am 14. Februar zum Valentinstag die Dämmerung über Schloss Klippenstein hereinbricht, wird der historische Festsaal zum Schauplatz einer besonderen Reise durch die Jahrhunderte der Liebe. Unter dem Titel „Die schönsten Liebesbriefe aus acht Jahrhunderten“ verbindet ein Lesekonzert historische Texte mit klassischer Musik und macht den Valentinstag zu einem Fest für Herz und Sinne.

Im Mittelpunkt des Abends steht eine Ausdrucksform, die in Zeiten von Messenger-Diensten und Sprachnachrichten beinahe in Vergessenheit geraten ist: der handgeschriebene Liebesbrief. Schauspieler Lars Jung vom Staatsschauspiel Dresden liest ausgewählte Briefe großer Persönlichkeiten, darunter von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Strauss. Ihre Worte geben Einblick in private Gefühlswelten, die sonst hinter Partituren und öffentlichen Auftritten verborgen bleiben. Liebe erscheint hier nicht als abstraktes Ideal, sondern als menschliche Erfahrung voller Sehnsucht, Zweifel und Hoffnung.

Gerade die Handschrift machte diese Briefe so besonders. Jeder Strich, jede Zeile erzählt von der Nähe zwischen Schreibendem und Empfänger. Wo heute ein Klick genügt, brauchte es früher Zeit, Ruhe und Hingabe. Der Liebesbrief war ein kostbares Unikat – ein Stück Persönlichkeit auf Papier. Das Lesekonzert macht diese intime Form der Kommunikation wieder erlebbar und zeigt, wie stark Sprache Gefühle tragen kann, wenn sie bewusst gewählt und festgehalten wird.

Klang- und stimmungsvoller Dialog

Musikalisch wird der Abend von den Dresdner Solisten Joachim Karl Schäfer (Trompete und Kornett) und Oksana Weingardt (Klavier) gestaltet. Mit Werken von Georg Friedrich Händel, Vincenzo Bellini, Franz Schubert und Giuseppe Verdi spannt das Programm einen weiten Bogen von Barock bis Romantik. In virtuosen Bearbeitungen von Jean-Baptiste Arban, einem der berühmtesten Kornett-Virtuosen des 19. Jahrhunderts, verbinden sich Gesanglichkeit und Brillanz zu einem klangvollen Dialog mit den gelesenen Texten.

So entsteht ein stimmungsvolles Zusammenspiel von Wort und Ton, von Literatur und Musik. Die historischen Liebesbriefe werden nicht nur vorgetragen, sondern durch die Musik emotional vertieft. Das Publikum erlebt, wie Gefühle aus vergangenen Jahrhunderten überraschend gegenwärtig werden – und wie sehr sich menschliche Sehnsucht über die Zeiten hinweg ähnelt.

Das Lesekonzert im Schloss Klippenstein ist damit mehr als eine Valentinsveranstaltung. Es ist eine Erinnerung an die Kraft des geschriebenen Wortes und an eine Kultur des Innehaltens. In einer schnelllebigen Welt setzt der Abend ein leises, aber eindringliches Zeichen für Entschleunigung und Aufmerksamkeit füreinander.

Für Musik- und Literaturliebhaber verspricht die Veranstaltung einen außergewöhnlichen Kulturgenuss in historischer Kulisse. Und vielleicht nimmt man aus diesem Abend nicht nur Melodien und Texte mit nach Hause, sondern auch die Idee, selbst wieder einmal zu Papier und Stift zu greifen – um einem Menschen mit eigenen Worten zu sagen, was wirklich zählt.

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