Wenn man an der Südost-Ecke der Frauenkirche steht, kommt einem dieser Platz von Dresden sehr bayerisch vor: Links das (neue) Augustiner an der Frauenkirche, rechts der Straße das (alte) Augustiner an der Frauenkirche. Und am Haus zwischen diesen beiden liest man ebenfalls „Augustiner Bräu“ – plus etwas weiter unten und nur, wenn die Sonnenschirme die Sicht freigeben: 1328. Das hat zwar viel mit dem Augustiner zu tun (es ist das Gründungsjahr der Brauerei), aber es will sich bewusst vom Wirtshaus abheben. Das Kochsternstunden-Menü zeigt schon vor dem Ausprobieren, wohin die Reise geht: man kann es in drei bis fünf Gängen bestellen, es gibt eine (preislich günstigere) vegetarische Alternative – und auch die Getränkebegleitung geht entweder alkoholisch mit spannenden Weinen oder alkoholfrei mit einem bunten Strauß an Gemixtem, Entalkoholisiertem und Proxies.
Beim Praxistest entpuppte sich das 5-Gang-Menü durch den Gruß aus der Küche fast als eins mit sechs Gängen, denn die Burrata mit dem hausgemachten Sauerteigbrot gehen schon fast als erfrischende Vorspeise durch. Als Vorbote des Frühlings war sie zudem an einem dieser nieselgrauen Tage doppelt willkommen. Der erste offizielle Gang war die dritte Variation des Themas Beef Tatar in drei Tagen – ein beredter Beweis, dass Köche ihre eigene Handschrift haben und auch Klassiker kreativ variieren können (Tag 1 / Tag 2). Sebastian Strobel schubste es mit confierte Kartoffel, Honig-Senf-Kaviar und Trüffel-Mayonnaise in die feine Richtung. Sehr passend dazu der so gar nicht beliebige, sondern sehr geschmeidige Sekt von Bründlmayer aus dem Kamptal!
Der Zwischengang war eine Variation des rheinischen Klassikers Himmel un Äd („Himmel und Erde“). Doch auch dieses ursprünglich nur herzhafte Gericht aus gestampften Kartoffeln (Äd/Erde) und Apfelmus oder -stücken (Himmel), das traditionell mit gebratener Blutwurst (Flönz) und gerösteten Zwiebeln serviert wird, kann man natürlich verfeinern. Wir bekamen es auf (im übrigen sehr hübschem Teller…) mit der Blutwurst in einem Raviolo, der auf Champagner-Sauerkraut zu liegen kam und mit einem Apfel-Chutney on top gekrönt war. Eine Kräuter-Beurre-Blanc gab dem Arrangement zusätzlichen Geschmack. Sauerkraut statt Erdäpfeln? Passte (und der Kohl ist ja auch irgendwie erdverbunden…). Auf den dazu vorgesehenen Wein hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut, denn Joachen Dreissigackers Vintages Riesling ist ein so anspruchsvolles wie geschmackvoll-aufregendes Projekt: Rieslinge verschiedener Jahrgänge kommen zusammen und machen den eh schon guten Wein des rheinhessischen Spitzenwinzers zu einem komplexen Speisebegleiter. In der Edition V sind von jedem der Jahrgänge 2017 bis 2023 Anteile drin (wobei der 17er langsam auszugehen scheint: 0,5 % Anteil machen sicher mehr Zahl als Geschmack aus).
Vor dem Hauptgang brachte uns David vom Service das, was man in der klassischen französischen Küche trou normand nennt – das normannische Loch. In der Normandie wird es traditionell mit Calvados gefüllt, wir sind hier aber erstens deutlich mehr im Osten und zweitens in einem bayerisch geprägten Restaurant, da darf es schon mal ein bayerischer BAVARKA Vodka sein, aufgegossen (oder direkt getrunken – er kam schön kühl separat im Sahnekännchen) auf ein Bergamotte-Sorbet. Der Volksmund sagt: das räumt auf und macht Platz – aber das ist sicher nur ein Vorwand, um mitten im Menü einen Schnaps zu trinken 😉
Short-Ribs oder Skrei zum Hauptgang? Klingt ja beides gut. Ein Blick auf die Weinbegleitung könnte da vielleicht ausschlaggebend sein: einen 2014 Chateau Grand Pey Lescours Grand Cru aus dem St. Emillion würde ich eher nicht zum Skrei wählen (einen nicht so warmen leichten Rotwein schon), und ob der 2024 Grauburgunder von Seckinger zur geschmorten Short Rib passen würde, konnte ich mir auch nicht denken. Also: Fleisch für den Herrn, Skrei für die Dame, mit den passenden Weinen. Und das erwies sich als weise Entscheidung: beide Stücke waren wie erwartet: Short Rib saftig geschmort bis zur Butterweichheit, Skrei glasig belassen wie es sich gehört. Rosenkohlblätter auf dem Fleisch machen sich gut (weil sie leichter sind als die kompletten Röschen – und Pastinakenpüree passt, ist aber nicht so meins. So hat halt jede(r) eigene Vorlieben. Beim Skrei machte sich Venererisotto klasse, und wilder Brokkoli ist um Längen passender als der ohne den Zusatz wild.
Die frisch im Ofen geschobene Tarte Tatin erwies sich als ein wenig blass, bekam aber im übertragenen Sinn Farbe durch ihre Begleiter Tonkabohnen-Parfait und Pistazien-Crunch. Außerdem begleitete eine 2017 Trockenbeerenauslese Essenz (Ried Zieregg) vom famosen Weingut Tement aus der Südsteiermark diesen Gang, was bei Liebhabern (m/w/d) süßer Dessertweine immer ein Grund zur Freude ist.
Menü
- Gruß aus der Küche
- Beef Tatar | confierte Kartoffel | Honig-Senf-Kaviar | Trüffel-Mayonnaise
- Ravioli | Apfel-Chutney | Blutwurst | Champagner-Sauerkraut | Kräuter-Beurre-Blanc
- Bergamotte-Sorbet
- Short-Ribs | Pastinakenpüree | Rosenkohlblätter
ODER
Skrei | Venererisotto | wilder Brokkoli | Weißweinreduktion - Tarte Tatin | Tonkabohnen-Parfait | Pistazien-Crunch
Weinbegleitung
- Bründlmayer Brut, Kamptal, Österreich
- Dreissigacker Vintages Riesling, 2017-2021, Rheinhessen, Deutschland
- Bavarka Wodka (aufgegossen auf Sorbet)
- 2014 Chateau Grand Pey Lescours Grand Cru, St. Emillion, Frankreich
ODER
2024 Seckinger Grauburgunder vom Kalkstein, Pfalz, Deutschland - 2017 Tement TBA Essenz Ried Zieregg, Südsteiermark, Österreich
Info
- 3-Gang 65 €
inkl. Weinbegleitung 105 € - 4-Gang 80 €
inkl. Weinbegleitung 125 € - 5-Gang 85,00 €
inkl. Weinbegleitung 139 €
1328 – Restaurant & Bar
Rampische Straße 2
01067 Dresden
Tel. +49 351 / 49 77 66 50
1328-restaurant.com
[Besucht am 12. Februar 2026]