Tobias Goebel (47) lebt in Boston/Massachusetts, ist von Beruf Software-Marketing-Experte und betreibt den Youtube-Kanal Tesla Tobi. Es geht ihm vor allem um E-Mobilität, KI und Zukunftstechnologien. Er fährt seit vier Jahren mit seinem Tesla autonom und hat das System FSD (Full Self Driving - supervised) von Tesla jahrelang sehr genau geprüft. Die Ergebnisse seiner Tests veröffentlich er auf seinem Kanal. Meißen News hat mit ihm gesprochen: Heute Teil 2 - Ein Youtube-Kanal als Businessmodell.
Du hast Dir dann einen Tesla gekauft, war das auch so eine Art Therapie, oder?
Ha, Midlife Crisis, nee, die kam erst später. Wenn es einen roten Faden gibt in meinem Leben, dann ist es der, dass ich immer irgendwie Fortschritt sehen muss und Veränderung. Und das war dann, als ich anfing, mich für Tesla zu interessierem. Ich sagte mir: Jetzt kaufe ich mir einfach so einen Tesla, weil ich generell an Technologie interessiert bin. Irgendwie habe ich gemerkt, dass diese Firma irgendwie anders tickt und dass dieses Auto anders ist, von Grund auf softwaregetrieben mit permanenten Updates. Und natürlich wusste ich dann auch, dass sie am autonomen Fahren (FSD) arbeiten. Und da dachte ich mir, wenn ich das irgendwie praktisch miterleben kann, dann wird das spannend. So habe ich mir 2019 das erste Model 3 Performance besorgt. Das habe ich aber 2023 eingetauscht gegen das Model Y, da es bereits die nächste Hardware-Generation an Bord hatte. Hardware 4. Und mir war damals schon klar, dass es wahrscheinlich ist, dass FSD nur mit Hardware 4 so richtig gut funktionieren wird. Ich durfte auch meine FSD-Lizens ins neue Auto transferieren.

Tobias Goebel (47).
Du brauchst auf jeden Fall die HD-Kameras und einen besseren Chip für schnellere Berechnung.
Mein Model Y hat Standard Range, also die unterste Stufe, allerdings gab es damals noch Allradantrieb. Ich habe einen der letzten normale Model Y mit Allradantrieb bekommen. Es beschleunigt ordentlich in 5,1 Sekundenvon 0 auf 100. Da kann kann man sich nicht beschweren. Mit dem fahre ich so 280 Meilen, 450 Kilometer. Jetzt im Winter natürlich ein bisschen weniger. Aber das ist doch gar nicht so wichtig. Ich habe oft von zu Hause aus gearbeitet, die meiste Zeit, während ich den Tesla hatte. Selbst wenn Du du vielleicht 50 Kilometer am Tag zur Arbeit fährst, das kann so ein Auto problemlos. Wenn du zu Hause laden kannst, hast du jeden Morgen ein geladenes Auto. Also das Thema Reichweite wird überschätzt, finde ich.
Wenn man nicht gerade mit vielen Koffern und Kindern weit weg in den Urlaub fahren möchte.
Dann muss man gucken, dass man schön die Supercharger an der Strecke nutztt. Und eine Sache, die wird oft übersehen. Ich fahre öfter gern in den Norden, in Wintergebiete, Skigebiete, entweder in Vermont oder New Hampshire, und wenn ich dann den letzten Supercharger hinter mir habe und noch 50 Kilometer oder 50 Meilen vor mir zum Zielort, und es gibt dort keinen in der Nähe, dann wird es eng. Ich möchte ja am Zielort auch ein bisschen rumfahren.
Dann musst Du nach einer anderen Lademöglichkeit schauen.
Oder am Ferienhaus gibt es draußen eine Steckdose, dass du zumindest über Nacht ein paar Meilen drauf bekommst.
Tobias, wie kamst Du auf die Idee, Dich beim Autofahren zu filmen?
Mein Bruder kam mich mal besuchen, als wir das Haus gekauft hatten. Er ist auch technisch interessiert. Wir sind zusammen Tesla gefahren und da dachte ich mir, das nehme ich jetzt mal auf und poste es über YouTube. Der Name TeslaTobi, der gefiel mir nicht, das war seine Idee, aber ich hatte es akzeptiert. Versuch macht klug oder so. Vielleicht finden sich ja ein paar Hundert Leute, die das sehen wollen. Mir hat das Spaß gemacht, es gab tatsächlich ein paar Hundert Views.
Dann machte ich weiter, vielleicht ein Video in der Woche. Mit der Zeit verbesserte sich die Ausrüstung. Ich habe jetzt zwei Kameras, eine oben 360 Grad auf dem Dach und die vom iPhone fürs Cockpit. Und dann habe ich auch Spaß am Schneiden. Zudem bemerkte ich, dass die Leute gerne zuhören, wenn ich so aus dem amerikanischen Leben plaudere und aus meinem Privaten und was mich sonst so motiviert. Das ist eine spannende Erkentnnis. Leute fühlen sich hingezogen, im Sinne von sich sich gewöhnen an andere Menschen, an deren Stimme, deren Art zu reden, deren Background. Man hört gern zu, auch wenn sie einfach nur irgendwas erzählen. Das sind auch meine eigenen Erfahrungen. Ich habe ja auch Leute, denen ich folge, denen ich teilweise fast täglich zugucke. Ich kann ja nicht mit den amerikanischen YouTubern mithalten. Ob sie jetzt Omar heißen, Whole Mars Catalog oder Dirty Tesla oder AJ. Der ist, glaube ich, ein Deutscher.
Die haben ja teilweise Millionen Follower. Aber Du hast ja ein deutsches Publikum und damit einen Vorsprung.
Ja, genau. Ich habe dann gemerkt, ich habe so eine richtige Nische. Klar, ich finde ein Publikum, weil ich ein Alleinstellungsmerkmal habe. Als Europäer, der hier lebt und Zugriff hat auf eine Technik, die ihr noch nicht habt. Das ging mir dann immer mehr und mehr auf. Und so habe ich mein Hobby einfach weitergetrieben. Und dann drei, vier Monate später, im Mai 2024, schrieb mich YouTube an. Sie haben jetzt 500 Abonnenten. Sie können jetzt monetarisieren. Ja, klar, machen wir doch, ein bisschen Geld für mein Hobby. Und dann wird man halt beteiligt, einmal an den Premium-YouTube-Zuschauern, was die zahlen, und ansonsten Werbebeteiligungen. Wenn du dann die Tausend überschreitest, kannst du noch mehr monetarisieren. Und dann hatte ich mich organisch bis 2.000 Abonnenten hochgearbeitet. Und dann kam der Jens vom Move Electric. Der ist schon länger dabei, hat 60.000 Abonnenten. Er wollte mich mal interviewen. Plötzlich habe ich auf einen Schlag 1.000 neue Abonnenten bekommen.
Seine Community sozusagen. Sie hat Dir geholfen, weil es für sie interessant war.
Dann ging es stetig voran. Es ging es los mit Werbepartnern, die sich bei mir gemeldet haben. Das wollte ich erstmal nicht. Hab das jetzt aber wieder in Angriff genommen. Und ihr werdet auf meinem Kanal auch bald merken, dass ich anfange mit Jowua, einem Online-Markt für hochwertiges Autozubehör, auch von Tesla.
Du hast jetzt wie viele Abonnenten? 5.000 oder so?
Dieser Tage habe ich die 6.000 geknackt. Über die letzten 28 Tage kamen rund 600 Abonnenten hinzu. Und das wächst weiter. Und wenn ich in dem Tempo jetzt weitermache, dann sollte ich irgendwann auf 1.000 Neuabonnenten im Monat kommen.
Könnte dieses beschleunigte Wachstum jetzt auch damit zusammenhängen, dass du Deinen Blick ein bisschen weiter zur Konkurrenz ausrichtest, zu strategischen Fragen, technischen Fragen der KI, zu Elon Musk? Oder ist es einfach die größere Quantität?
Beides sicher. Ich habe anfangs nur diese FSD-Videos gemacht. Und da habe ich aber hier und da mal während der Fahrt einfach geplaudert, über meine Gedanken zu Elon Musk, manchmal auch über Politik, das gefiel nicht allen. Und habe dann aber gemerkt, das System wird so gut, die Fahrten sind so richtig spannend nicht mehr. Ich hatte ja im Juni dann meinen Arbeitsplatz verloren, habe mich dann erstmal nicht gekümmert um einen neuen, weil ich einfach nicht in der Lage war, in der Phase damals. Als ich dann aber ausgezogen bin im November und die Kraft schnell wiedergefunden habe, habe ich dann mit vollem Bewusstsein entschieden: So, ich habe jetzt 20 Jahre in der Software-Branche gearbeitet, die hat gut bezahlt, ich habe einiges zurücklegen können, ich kann es mir leisten, mal was Neues auszuprobieren. Ich bin 47, das Jahr 2025 war für mich ein Höllenjahr. Einmal wegen der privaten Problemen, dann wegen der Depression, dann wegen des Jobverlustes. Ich bin jetzt 15 Jahre in diesem Land...,
Hast Du schon die Staatsbürgerschaft oder hast du immer noch eine Green Card?
Immer noch die Green Card. Aber ich habe mir jetzt überlegt, dass ich mich vielleicht um eine Staatsbürgerschaft bemühe. Ich habe das immer von mir weggeschoben, weil ich kann es mir noch nicht vorstellen konnte, auf das Land zu schwören, auf die Verfassung..
Da musst du die Fahne küssen, glaube ich.
Natürlich ist die politische Entwicklung höchstkritisch, auch wenn ich nicht alles verteufle, was gerade passiert. Ich bin über die Jahre ein bisschen konservativer geworden. Das erlebe ich auch bei meinem Bruder, wir reden sehr oft über politische Themen und Entwicklungen, auch in Deutschland, in anderen Ländern. Generell schlägt das Pendel wieder ein bisschen zurück, mehr in Richtung konservativ in der ganzen Welt. Und ich habe aber jetzt mir folgendes überlegt: Deutschland geht es ja auch nicht mehr so gut. Es wird mit Deutschland wirtschaftlich weiter bergab gehen. Das ist, glaube ich, für mich glasklar. Und wer weiß, was die Zukunft bringt, wenn ich zwei Staatsbürgerschaften habe. Mit der Green Card darf ich hier frei leben und arbeiten. Aber wenn ich mehr als sechs Monate nicht im Land bin, verliere ich die Green Card. Und ich könnte mir vorstellen, dass ich besser fahre, wenn ich beide Staatsbürgerschaften habe, weil ich mir dann auswählen kann, wenn ich das Rentenalter erreiche, wo ich alt werden möche.
Wir wollen doch hoffen, dass sich Deutschland wieder fängt, oder?
Ich hoffe es auch. Ich glaube nach wie vor, dass Deutschland sehr viel Potenzial hat. Aber es muss einiges passieren, was den Standort anbetrifft. Energie muss billiger werden, Nebenkosten müssen runter, das hören wir aber schon seit Jahren.
Bürokratie muss weg, eigentlich liegt doch alles auf der Hand. Eigentlich wissen wir, was getan werden muss, aber es ist offensichtlich sehr, sehr schwer umzusetzen.
Das ist es. Du hast immer die Lobby, du hast immer die Widerstände. Man versucht sich festzukrallen, an dem was man noch hat.
Du versuchst jetzt ein Business aufzubauen, von dem man leben kann?
Ich habe in letzter Zeit realisiert, dass ich mich nicht mehr so richtig identifizieren kann mit der Softwareindustrie. Wenn du im Enterprise-Software-Umfeld unterwegs bist, dann merkst du irgendwann, dass du viel versprichst und die Software es oft nicht wirklich halten kann. Da hatte ich einfach nicht mehr so die Lust drauf. Ich komme aus einem Beamtenhaushalt, beide Eltern Beamte, ich habe keinen unternehmerischen Spirit in die Wiege gelegt bekommen. Ich habe nie versucht, mich selbstständig zu machen.
Aber jetzt ist die Gelegenheit da. Was mache ich eigentlich als YouTuber? Ich stehe morgens auf und lese Zeitungen, im Sinne von, ich scroll auf X rum und gucke die Technologie-Nachrichten. Ich sichte also praktisch, was gerade so abgeht. Dann gucke ich mir an, welche Themen könnten interessant sein für mein Publikum. Dann wähle ich eins aus, während ich mit dem Kaffee im Bett sitze. Eine Stunde sitze ich noch im Bett und arbeite aber schon sozusagen online. Dann mache ich mir Frühstück und fange ich an, mich einzuarbeiten in das Thema, das ich ausgeqwählt habe. Dabei schöpfe ich natürlich von meinem Background als Informatiker sozusagen und Marketinger, der sowohl die geschäftliche Seite als auch die Technische ein bisschen kennt. Dann baue ich praktisch das Bild eines Newsrooms. Ich fange um 2, 3 Uhr an aufzunehmen. Da richte ich ja alles ein, ich habe meinen Green Screen hinter mir und rede dann mit einer Mischung aus, ein bisschen geskriptet und meistens frei. Ich war immer schon jemand, der eher frei redet und nicht einfach nur abliest. Dann ist es Nachmittag, dann gehe ich eine halbe Stunde spazieren, ein bisschen frische Luft. Dann zwischendurch habe ich Mittag gegessen. Dann fange ich an zu editieren, zu schneiden, das macht mir auch Spaß. Ein bisschen kreativ, ein bisschen Soundeffekte hier und da. Dann lad ich es hoch, dann mache ich mein Abendprogramm. Und am nächsten Morgen geht es so weiter und den ganzen Tag über interagiere ich mit meinem Publikum.
Du bist eigentlich alles in Personalunion. Du bist der Editor. Der soll das Material zusammenführen. Du bist aber auch der Reporter und der Moderator, weil Du ja in die Kamera guckst. Du bist der Techniker, Du bist der Planer, Du bist Ton- und Lichtmann - Du bist alles. Du bist eine One-Man-Show.
Genau, das sind die YouTuber eben und deswegen gibt es auch so viele, die das als Job machen. Ich habe mich ein bisschen angefreundet mit dem Nino Zeidler von Strombock. Der macht das schon seit vielen Jahren. Der hat nicht so einen linearen Weg hinter sich, aber der ist auch ein IT-ler. Er betreibt einen Twitch-Kanal und er macht dreimal die Woche Livestreams. Und das sind stundenlange Livestreams. Der ist dann drei, vier, fünf Stunden live und Leute schalten sich ein und lassen ihn so nebenbei laufen und gucken zu. Und das ist sein Job und so verdient er sein Geld.
Du gehörst auch bei mir zum Tagesablauf. Ich schaue Deine Videos meistens in der Mittagspause. Irgenwie vermisse ich etwas, wenn kein neues Video da ist.
Wenn man sich vorstellt, dass man praktisch eine eigene TV-Station ist. YouTube benötigt als Plattform sozusagen kein Mittelsmann mehr, bis auf den, der die Werbung schaltet. Du kannst 50.000 Abonnenten haben und hast trotzdem nur 5.000 Views pro Video und machst vielleicht nur 10 Euro Umsatz. Oder du kannst 5.000 oder 6.000 Abonnenten haben, so wie ich, und hast auch 5.000, 6.000 Views pro Video, obwohl du nur ein Zehntel Abonnenten hast und verdienst aber zwischen 30 und 70 manchmal 100 Dollar pro Video, was momentan noch nicht alle Rechnungen zahlt, bei weitem nicht, aber es kommt darauf an, dass der Content bewerbbar ist, dass sich Werbekunden finden. Und ich habe ja ein eher älteres Publikum, dass aber Geld verdient.
Na ja klar, wenn du einen TikTok-Kanal hast mit 13-Jährigen, die Schminktipps geben, das ist keine kaufkräftige Klientel.
Das ist keine kaufkräftige Klientel, obwohl es da auch viele Produkte gibt, die du verkaufen kannst. Und manche sind ja auch sehr erfolgreich. Leute haben mir erzählt -. als Uber-Fahrer - von einem 6-jährigen Sohn, der hat eine Million Follower.
Du fährst Uber?
Ja, sehr gern sogar. Manchmal denke ich, dass Leute, die so in meinem Alter sind, sich vielleicht auch nach dem ersten Kapitel ihrer Karriere fragen, wie geht es jetzt weiter, dass die insgeheim denken, Mensch, krass, der hat den Absprung geschafft, der baut sich da was auf, das will ich auch, das nehme ich mir als Vorbild oder so.
Du erzählst ja kein Zeugs, was dir so gerade in den Kopf kommt. Du weißt ja wovon du redest, du bist ja kompetent und authentisch.
Ich bin aber kein Vergleich mit beispielsweise Cern Basher. Er hat im Finanzwesen Karriere gemacht, er ist Weltklasse, was der an Erfahrung und Wissen drauf hat. Oder eine Alexandra Merz, Tesla Boomer Mama. Sie hat Hedgefonds gemanagt und ist ein Expertin im Finanzwesen. Sie machen gestochenscharfe Analysen, sie haben komplexes Wissen. Auf dem Niveau bin ich nicht.
Auch brilliante Analysten können falsch liegen, Tobias.
Sie können falsch liegen, aber die können auch richtig liegen. Sie wollen auch ein anderes Publikum. Meine Leute wollen keine gestochenscharfe Analysen hören, sie wollen vielleicht einfach nur hören, was ich so zu verzapft habe.
Interview: Ulf Mallek
Wird forgesetzt. Teil 3 folgt.