Angesichts anhaltend strenger Kälte, Schnee und eisigem Wind verstärkt die Landeshauptstadt Dresden ihre Maßnahmen zum Schutz wohnungsloser Menschen und ruft die Bevölkerung zu besonderer Aufmerksamkeit und Solidarität auf. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, teils im zweistelligen Minusbereich, stellen für Menschen ohne festen Wohnsitz eine akute Lebensgefahr dar. Unterkühlung, Erfrierungen sowie die Verschärfung bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen können bereits nach kurzer Zeit auftreten. Sinkt die Körperkerntemperatur unter 35 Grad, drohen Schläfrigkeit, Verwirrtheit und Koordinationsstörungen. Wer einen offenbar hilflosen oder nicht ansprechbaren obdachlosen Menschen entdeckt, sollte unverzüglich den Notruf 112 wählen.
Begleitend zu den konkreten Hilfsangeboten setzt die Stadt Dresden erneut ein sichtbares Zeichen gegen Wohnungslosigkeit. Die erfolgreiche City-Light-Plakat-Kampagne „Bett statt Bank. Dresden schaut hin!“ wird mit 100 Plakaten im gesamten Stadtgebiet bis zum 20. Januar 2026 fortgeführt. Mit auffälligen gelben Schriftzügen und dem Bild einer Parkbank, die mit Decke und Kopfkissen ausgestattet ist, macht die Kampagne auf die Lebensrealität obdachloser Menschen aufmerksam. Gleichzeitig verweist sie auf bestehende Unterstützungsangebote, die auf der Internetseite www.dresden.de/obdach gebündelt abrufbar sind. Ziel ist es, sowohl zu sensibilisieren als auch konkrete Hilfe aufzuzeigen.
Sozialbürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann betont, dass niemand in Dresden gezwungen sei, draußen zu übernachten. Die Stadt und ihre Partner stünden bereit, um Schutz, Wärme und Unterstützung zu bieten. Niemand müsse sich schämen, Hilfe anzunehmen. Gerade das extreme Winterwetter mache das Thema dringlicher denn je. Zivilcourage und Mitmenschlichkeit seien jetzt besonders gefragt. Jede und jeder könne einen Beitrag leisten – durch Hinsehen, Ansprechen, das Anbieten von Hilfe oder das Informieren entsprechender Einrichtungen.
Derzeit stehen in Dresden insgesamt 474 städtische Schlafplätze in elf Wohnheimen sowie in 28 Wohnungen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es 50 Notschlafplätze, die auch außerhalb der regulären Dienstzeiten genutzt werden können. Die Vermittlung in städtische Unterkünfte erfolgt über das Sozialamt. Das Team Wohnungslosenhilfe ist unter der Telefonnummer 0351-4884981 erreichbar (Dienstag 9–12 und 14–18 Uhr, Donnerstag 9–12 und 14–16 Uhr, Freitag 9–12 Uhr). Außerhalb dieser Zeiten steht die Hotline der Notaufnahme des Übergangswohnheims in der Hechtstraße unter 0351-30980195 zur Verfügung. Neben Übernachtungsmöglichkeiten bieten die Unterkünfte auch Tagesaufenthalte, sanitäre Einrichtungen, Möglichkeiten zur Essenszubereitung sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote vor Ort.
Mit diesem Motiv macht die Stadt Dresden auf die Lage von obdachlosen Menschen aufmerksam. Foto: LHDD/stock.adobe.com/RusskyMaverick; Gestaltung: HERBSTWEST
Ergänzend betreiben Dresdner Kirchgemeinden ökumenische Nachtcafés für erwachsene Obdachlose, die keine städtischen Angebote nutzen möchten. Diese sind vom 1. November bis zum 31. März 2026 täglich von 20 bis 7 Uhr geöffnet und bieten Raum zum Aufwärmen, Essen, Ausruhen und Übernachten. Zudem ist die Heilsarmee mit nächtlichen Kältestreifen im Stadtgebiet unterwegs, verteilt warme Getränke, Suppe und Schlafsäcke, bietet Gespräche an und fährt Betroffene bei Bedarf in Nachtcafés oder Unterkünfte. Auch Tagestreffs, Streetwork-Angebote sowie die Bahnhofsmission am Dresdner Hauptbahnhof werden von der Stadt unterstützt.
Zur Vorbeugung von Wohnungslosigkeit berät das Sozialamt Menschen, die akut von Wohnungsverlust bedroht sind. Bei drohenden Räumungen infolge von Mietschulden unterstützt es bei der Antragstellung zur Schuldenübernahme und hilft bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Zusätzlich stehen vier kostenfreie und vertrauliche Kontakt- und Beratungsstellen in Pieschen, Striesen, Löbtau und Plauen zur Verfügung. Die Stadt appelliert eindringlich, diese Angebote frühzeitig zu nutzen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern und Leben zu schützen.