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Wie wir uns Mitmenschen sympathischer denken

Den Gedanken freien Lauf zu lassen, bereitet uns auf schwierige Situationen vor. pixabay/Gerd Altmann
Den Gedanken freien Lauf zu lassen, bereitet uns auf schwierige Situationen vor. pixabay/Gerd Altmann

Eine neue Studie zeigt, dass die Vorstellung positiver Begegnungen die Sympathie für andere Menschen steigert. In Experimenten wurden diese Effekte im Gehirn deutlich gemacht, was wichtige Erkenntnisse für Therapie und zwischenmenschliche Beziehungen liefert.

In machen Lebenslagen hilft uns die Vorstellungskraft. Man bereitet sich im Kopf auf ein schwieriges Gespräch vor oder malt sich eine angenehme Begegnung aus. Was dabei im Gehirn passiert, haben Forschende aus Leipzig und den USA nun genauer untersucht. Das Ergebnis überrascht. Allein die Vorstellung einer positiven Erfahrung mit jemandem kann dazu führen, dass wir diese Person sympathischer finden.

Das zeigt die neue Studie, die am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig mitentwickelt wurde. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Erkenntnisse gemeinsam mit der Universität Colorado Boulder in den USA. „Wir zeigen, dass wir aus imaginären Erfahrungen lernen können, und dass dies im Gehirn auf sehr ähnliche Weise funktioniert wie das Lernen aus tatsächlichen Erfahrungen", sagt Studienleiter Roland Benoit.

So funktioniert das Experiment

Für ihre Untersuchung luden die Wissenschaftler 50 Personen ein. Die Teilnehmer sollten 30 bekannte Personen nach Sympathie ordnen. Im Magnetresonanztomographen, einem Gerät zur Darstellung von Hirnaktivität, bekamen sie Namen von neutral eingestuften Personen gezeigt. Ihre Aufgabe war es, sich acht Sekunden lang eine positive oder negative Begegnung vorzustellen. Zum Beispiel ein gemeinsames Eis an einem heißen Tag oder ein ausgeliehenes Fahrrad, das kaputt zurückkam.

Das Ergebnis war eindeutig. Die Teilnehmer mochten jene Personen mehr, mit denen sie sich positive Erlebnisse ausgemalt hatten. Die Gehirnscans zeigten warum. Das ventrale Striatum, eine Hirnregion für Belohnungsvorhersagen, war während positiver Vorstellungen besonders aktiv.

Nutzen für Therapie und Alltag

„Vielmehr kann sie aktiv beeinflussen, was wir erwarten und wie wir Entscheidungen treffen", erklärt Erstautorin Aroma Dabas. Sie führte die Studie als Doktorandin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften durch.

Die Erkenntnisse haben praktischen Nutzen. In der Psychotherapie könnten Patienten ihre Ängste zuerst in der Vorstellung bewältigen. Am Arbeitsplatz könnte man sich eine angenehme Zeit mit einem schwierigen Kollegen vorstellen und so die Beziehung verbessern. Auch im Sport zeigen Studien, dass mentales Training die Leistung steigert.

Doch Vorstellungskraft hat auch eine Kehrseite. Menschen mit Angstzuständen stellen sich oft negative Dinge vor, was ihre Probleme verstärken kann. Die aktuelle Studie fand jedoch nicht, dass negative Vorstellungen Menschen automatisch unsympathischer machen.

METIS