Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 14.000 Menschen neu an Blutkrebs. Für viele Betroffene ist eine Stammzelltransplantation die einzige Chance auf Heilung. Doch welche Vorbereitung auf diesen Eingriff ist die beste – vor allem für ältere oder vorerkrankte Menschen? Genau das wollen Forschende aus Dresden und Kiel jetzt herausfinden.
Seit Anfang 2026 läuft die Studie RELEVANT. Nach Angaben der Verantwortlichen ist es die derzeit größte ihrer Art in Deutschland. 220 Patientinnen und Patienten sollen daran teilnehmen. Sie alle leiden an Akuter Myeloischer Leukämie (AML) oder einem Myelodysplastischen Syndrom (MDS). Beides sind Formen von Blutkrebs, bei denen das Knochenmark fehlerhafte Blutzellen bildet. "Für die meisten Erkrankten ist die Transplantation die einzige Chance auf eine Heilung des Blutkrebses, weshalb wir die am besten geeignete Behandlungsmethode identifizieren müssen", sagt Prof. Christoph Röllig vom Universitätsklinikum Dresden.
Was ist eine Stammzelltransplantation?
Bei einer allogenen Stammzelltransplantation, also einer Übertragung von Stammzellen eines fremden Spenders, bekommen Patienten zunächst eine intensive Chemotherapie. Sie soll das kranke Blutbildungssystem zerstören, damit die gesunden Spenderzellen übernehmen können. Genau diese Vorbereitung, die Mediziner "Konditionierung" nennen, steht im Mittelpunkt der Studie.
Verglichen werden zwei Chemotherapie-Kombinationen: eine mit dem Wirkstoff Treosulfan, entwickelt in Deutschland, und eine mit Melphalan, die weltweit verbreitet ist. Die Zuteilung zu einer der beiden Therapien erfolgt per Zufall. Fachleute sprechen von einer randomisierten Studie.
Wer soll von der Studie profitieren?
Es handelt sich um eine sogenannte Phase-2-Studie, in der Wirksamkeit und Verträglichkeit systematisch geprüft werden. Die Studie richtet sich besonders an Menschen über 50 Jahren sowie an Patienten mit Vorerkrankungen. Für sie ist eine Transplantation mit größeren Risiken verbunden. "Bislang fehlen uns Daten darüber, ob die Therapie mit Treosulfan oder Melphalan verträglicher beziehungsweise sogar besser wirksam ist", erklärt Prof. Friedrich Stölzel vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, der die Studie gemeinsam mit dem Dresdner Team leitet. "Deshalb ist ein direkter Vergleich so wichtig."

Prof. Friedrich Stölzel (M.) und seine Kollegen am Universitätsklinikum in Kiel. Gemeinsam mit den Dresdner Kollegen führen sie die Studie durch. © UKSH
Dr. Désirée Kunadt von der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Dresden ergänzt, man wolle vor allem das Überleben für besonders gefährdete Patientengruppen verbessern und langfristig die Sicherheit und Wirksamkeit der Transplantation optimieren. Unterstützt wird die Studie von der Technischen Universität Dresden und der medac GmbH.