Wer auf Instagram ein Foto vom Wanderausflug postet oder bei Flickr ein Naturbild teilt, hinterlässt digitale Spuren. Diese Spuren verraten viel darüber, welche Orte Menschen besonders schätzen. Forschende des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden haben gemeinsam mit Prof. Catrin Schmidt vom Institut für Landschaftsarchitektur der TU Dresden 66 Millionen Social-Media-Beiträge ausgewertet. Das Ergebnis ist eine Karte, die zeigt, wo sich Einheimische erholen und welche Ziele Touristen ansteuern.
Die Datengrundlage ist beeindruckend. Über 15 Jahre hinweg sammelten die Wissenschaftler Beiträge von Plattformen wie Flickr, Instagram, Twitter und iNaturalist. Jeder Post enthielt GPS-Daten, die den genauen Standort verraten. „Die Karte zeichnet ein vielfältiges Bild der Raumnutzung", erklärt Alexander Dunkel vom IÖR. In Großstädten wie Berlin oder München dominieren rote Punkte. Sie stehen für Touristen, die über Sehenswürdigkeiten berichten. Am Stadtrand und im Umland überwiegen blaue Punkte. Dort sind die Einheimischen aktiv, die sich in der Natur erholen.
Sächsische Schweiz lockt Besucher an
Auch außerhalb der Städte lassen sich klare Muster erkennen. In ländlichen Regionen posten meist Einheimische. Doch touristische Hotspots stechen heraus. Der Harz, die Sächsische Schweiz, der Elberadweg und die Küsten ziehen viele Besucher an. Ihre Posts hinterlassen rote Spuren auf der Karte. Diese Informationen sind wertvoll für die Planung. Sie zeigen, wo Naturräume durch zu viele Besucher belastet werden könnten. Was auf Instagram viral geht, führt oft zu einem Ansturm in der Realität.
Die Forschenden sehen noch mehr Potenzial in den Daten. „Die neuen Erkenntnisse könnten eine Lücke zwischen den Zielen öffentlicher Planung und der gelebten Realität der Bevölkerung schließen, indem sie die subjektive Wertschätzung der Bevölkerung detailgenau und flächendeckend sichtbar machen", sagt Dunkel. Planer könnten so besser verstehen, welche Orte den Menschen wirklich wichtig sind. Das ermöglicht eine Planung, die näher an den Bedürfnissen der Bevölkerung ist.
Datenschutz wird großgeschrieben
Die Nutzung von Social-Media-Daten wirft Fragen zum Datenschutz auf. Die Forschenden haben darauf geachtet, die Privatsphäre zu schützen. Sie arbeiten nur mit anonymisierten und zusammengefassten Daten. Einzelne Posts lassen sich nicht mehr zurückverfolgen. Die Daten und die Methoden zur Auswertung stehen anderen Forschenden zur Verfügung. Sie sind in der Forschungsdatenbank des IÖR verfügbar. Die Studie wurde im Dezember-Heft der Fachzeitschrift „Naturschutz und Landschaftsplanung" veröffentlicht.
Originalpublikation
Dunkel, Alexander; Schmidt, Catrin; Wende, Wolfgang; Nieswand, Maria:
Digitale Spuren in der Landschaft. Ein neuer Blick auf Naturräume durch Soziale Medien. [Teil der Reihe „Landschaft und Natur in Karten“ herausgegeben von Walz, Ulrich (HTW Dresden); Wende, Wolfgang; Meinel, Gotthard (beide IÖR)] In: Naturschutz und Landschaftsplanung. Zeitschrift für angewandte Ökologie. 57 (2025) 12, S. 38-39.