Unter blauem Himmel und winterlicher Sonne versammelten sich zahlreiche Gäste vor dem Lessing-Museum Kamenz, um das Richtfest für den Neubau und die Sanierung des traditionsreichen Hauses zu feiern. Nach Monaten mit Schnee, Regen und Nebel wirkte das Wetter wie ein symbolischer Auftakt für die neue Phase des Projekts.
Den feierlichen Höhepunkt bildete der Richtspruch, vorgetragen von Werner Lindner hoch oben vom Dach des Neubaus. In poetischen Versen verband er handwerkliche Leistung mit dem geistigen Vermächtnis Gotthold Ephraim Lessings und erinnerte daran, dass das Gebäude künftig nicht nur Hülle, sondern Heimat für den „Geist der Aufklärung“ sein soll.
Beim anschließenden traditionellen Nageln bewiesen Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Verwaltung und Bauwirtschaft Mut und Humor. Mit dabei waren unter anderem die Leiterin der Städtischen Sammlungen Dr. Sylke Kaufmann, Projektleiterin Mandy Remus, Oberbürgermeister Michael Preuß, Bauunternehmer Falk Mieting, Architektin Katrin Leers-Kulka sowie Altoberbürgermeister Roland Dantz.
Bekenntnis zur Kultur
In seiner Ansprache dankte Oberbürgermeister Michael Preuß den beteiligten Firmen und Planern für ihre bisherige Arbeit und betonte die Bedeutung des Projekts für die Stadt. Möglich geworden war der Umbau nach dem Umzug der Bibliothek in das innerstädtische Gymnasium und durch erhebliche Fördermittel von Bund und Land. Insgesamt fließen rund vier Millionen Euro in das Vorhaben, ein klares Bekenntnis zur Kultur in Kamenz.
Besonders hob Michael Preuß die Zusammenarbeit mit dem renommierten Architekturbüro Peter Kulka Architektur GmbH hervor. Dessen Entwurf respektiere das historische Gebäude und schaffe zugleich moderne Räume für neue Formen der Vermittlung. Die Wiedereröffnung ist für 2027 geplant, rechtzeitig vor zwei großen Jubiläen: dem 300. Geburtstag von Gotthold Ephraim Lessing und dem 100. Jahrestag der Grundsteinlegung des Lessinghauses im Jahr 2029.
Dr. Sylke Kaufmann gab einen ersten Ausblick auf das künftige Museumserlebnis. Besucherinnen und Besucher dürfen sich unter anderem auf eine Lounge mit „Lümmelsofa“ und Blick in den Volkspark freuen, ein Ort zum Nachdenken und Verweilen. Zudem kündigte sie ein besonderes Themenjahr 2029 an, das neben Lessing auch dessen Freund Moses Mendelssohn in den Mittelpunkt stellt. Eine große Eröffnungsausstellung ist bereits in Vorbereitung: Sie entsteht in Kooperation mit dem Freies Deutsches Hochstift Frankfurt am Main und widmet sich dem Verhältnis von Lessing und Johann Wolfgang von Goethe.
Architektin Katrin Leers-Kulka unterstrich die Rolle der Architektur als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ziel sei ein Museum, das „klar, aufgeklärt und offen für Diskurs“ sei, ganz im Sinne Lessings.
Zum Abschluss lud der Oberbürgermeister die Gäste zu einem Rundgang durch das Museum ein, um einen ersten Eindruck von den künftigen Räumen zu gewinnen. So endete das Richtfest nicht nur als Dank an die Bauleute, sondern auch als Ausblick auf ein Haus, das Kamenz ab 2027 neu prägen wird: als moderner Ort für Geschichte, Bildung und den lebendigen Geist der Aufklärung.