Tschechien hat im aktuellen Index für Wohlstand und finanzielle Gesundheit seinen Status als stärkste postkommunistische Volkswirtschaft der EU untermauert. In der Kategorie „Zustand der Wirtschaft“ kletterte das Land auf Rang acht und erzielte damit das beste Ergebnis seit Beginn der Erhebung. In der Gesamtwertung blieb die Spitze stabil: Schweden, Deutschland und Dänemark führen weiterhin. Tschechien startete 2022 auf Rang neun, rutschte danach jedoch infolge der hohen Inflation in den Jahren nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auf die Plätze zwölf und 14 ab. Das teilte Tschechien.News mit.
Unter den postkommunistischen EU-Staaten behauptet Prag dennoch die Führungsrolle. Nach einem zweiten Platz hinter Slowenien in den Vorjahren steht Tschechien nun wieder an der Spitze dieser Ländergruppe. Der Befund fällt besonders im direkten Vergleich mit Polen auf, dessen wirtschaftlicher Aufstieg in der öffentlichen Debatte häufig mit Infrastrukturprojekten und Dynamik begründet wird. Die Indexdaten zeichnen jedoch ein differenziertes Bild.
Bei zentralen Industrieindikatoren liegt Tschechien vorn: Auf 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe kommen 216 Industrieroboter, in Polen sind es 81. Auch die Investitionsquote ist in Tschechien mit 26,5 Prozent des BIP deutlich höher als in Polen (17 Prozent). Das Pro-Kopf-BIP erreicht 91 Prozent des EU-Durchschnitts, Polen liegt bei 78 Prozent. Zudem gilt Tschechien als besonders komplexe Volkswirtschaft mit breiter Palette anspruchsvoller Produkte, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks erhöht.
Eine Schwachstelle bleibt jedoch die inländische Wertschöpfung im Export. Polen kommt hier auf 66,7 Prozent und liegt europaweit auf Rang elf, Tschechien erreicht 58,2 Prozent und rangiert im hinteren Drittel. Ökonomen verweisen auf ein Geschäftsmodell, das stark auf Komponentenfertigung und Hightech-Lieferketten setzt, während Markenrechte, Endmargen und geistiges Eigentum häufig im Ausland liegen.
Auch bei den Investitionen zeigen sich Fragezeichen: Zwar fließt viel Kapital in Maschinen und Anlagen, doch immaterielle Investitionen wie Patente, Software oder Markenrechte machen nur 19 Prozent aus – deutlich weniger als in Nordeuropa. Sinkende Bestände an Direktinvestitionen und steigende Kosten erhöhen den Druck, stärker auf Innovation, Kapitalbildung und eigene Marken zu setzen. Die wirtschaftliche Stärke ist sichtbar, die Nachhaltigkeit entscheidet sich an der Wertschöpfung.