Tobias Goebel (47) lebt in Boston/Massachusetts, ist von Beruf Software-Marketing-Experte und betreibt den YouTube-Kanal Tesla Tobi. Es geht ihm vor allem um E-Mobilität, KI und Zukunftstechnologien. Er fährt seit vier Jahren mit seinem Tesla autonom und hat das System FSD (Full Self Driving – supervised) von Tesla jahrelang sehr genau geprüft. Die Ergebnisse seiner Tests veröffentlicht er auf seinem Kanal. Meißen News hat mit ihm gesprochen: Heute Teil 5 – Wo lässt sich in Zukunft gut Geld verdienen?
Was machen wir jetzt mit unserer Tesla-Aktie, die von vielen Analysten als hoffnungslos überbewertet bezeichnet wird, sich aber trotzdem gut hält? Wie ist die Zukunft, was denkst du?
Tatsächlich lag die Aktie über 5 Jahre ziemlich flach. Da ist nicht viel passiert. Warum? Weil der Markt sehr, sehr geduldig war mit Tesla. Bis Tesla wirklich einlösen konnte, was sie schon lange versprochen hatten, nämlich FSD. Jetzt ist FSD da. Da dachte sich der Markt natürlich nicht: Okay, wunderbar, dann bist du jetzt doppelt so viel wert. Du bist jetzt ungefähr das wert, was wir für die Aktien zahlen. Wir haben jetzt gesehen, es funktioniert. Ich denke, alle waren überrascht, wie gut es in Europa funktioniert. Das habe ich auch nicht erwartet. Heißt aber nicht, dass Tesla jetzt plötzlich wesentlich mehr wert wird, nur weil FSD jetzt wirklich funktioniert. 1,5 Billionen bist du nur wert am Markt, wenn du eine Technologiefirma bist.
Besser noch eine KI-Firma...
Tesla ist eine KI-Firma, aber sie verdienen noch kein Geld mit der KI. Das muss man schon unterscheiden. Man muss schon fairerweise sagen, ja, es ist immer noch eine Autofirma, weil sie nur mit Autos Geld verdienen. Und mit dem Verkauf von Battery Packs. Wenn man das Batteriegeschäft ausgliedern würde in eine eigene Firma, wäre diese Firma bereits unter den 500 größten Firmen.
Und jetzt kommt noch Solar hinzu, ja? Musk will ja die Solarproduktion ankurbeln.
Richtig. Und sie bauen eben den humanoiden Roboter. Die Idee oder die Vision eines Roboters, der praktisch die Handfertigkeit eines Menschen hat und das Gehirn eines Menschen, ist natürlich faszinierend. Und wenn sie umsetzbar ist in der Realität, dann kann man sich durchaus vorstellen, dass diese Dinger in der Zukunft sehr, sehr vieles, wenn nicht den überwiegenden Teil dessen übernehmen werden können, was wir beruflich heutzutage so machen. Und das natürlich viel billiger. Jetzt sagen viele: Naja, Tesla ist ja nur einer, es gibt ja Hunderte von Firmen. Und das stimmt, guck mal nach China. Die Karte der Roboterfirmen, die ist unfassbar groß. Es gibt Dutzende von Firmen, die Roboter bauen. Du kannst mit KI, und das habe ich selber beruflich auch miterlebt, du kannst mit KI sehr beeindruckende Demos bauen. Du kannst also in der Robotik zum Beispiel einen Roboter bauen, der kann Purzelbäume schlagen. Von Boston Dynamics, gehört mittlerweile zu Hyundai, sehen wir seit Jahren tolle beeindruckende Demos von einem Roboter, der irgendwie den Berg runterläuft und Handstände macht und was weiß ich nicht alles. Ja, das ist ja toll. Dann ist ja der Schritt nicht mehr weit, dass der jetzt bald produktiv einsetzbar ist, oder? Nee, nee, nee, nee. Was ihr hier seht, sind sozusagen die ersten 80 %, vielleicht 85 % dessen, was ein Roboter können muss, aber die letzten 15 % werden Jahre brauchen. Die KI ist das Entscheidende, nicht die Hardware und die Robotik selber.
Man sagt auch, die Hand ist ein Problem.
Die Hand, also die Dexterity nennt man das im Englischen, die Fingerfertigkeit, ja. Es gibt einige Roboterhersteller, die beschränken sich zum Beispiel auf dreifingrige Hände, die können dann bestimmte Tätigkeiten machen, aber bestimmte eben auch nicht. Ja, und wir haben eine unfassbare Fertigkeit. Ich kann einen feinen Seidenfaden durch eine Öse fädeln. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Roboter das können. Jetzt sagt jemand wie Elon Musk: In drei Jahren kann der Optimus-Roboter besser operieren als der beste Chirurg in der Welt oder als alle Chirurgen zusammen. Das ist wieder typisch Musk, dass der sozusagen Ziele vorgibt auf der Zeitleiste, die letzten Endes zu hoch gegriffen sind. Aber dass es irgendwann möglich wird. Das steht für mich außer Frage. Tesla hat das bewiesen, dass sie sehr viel auch von ihren Autos selber bauen. Firmen, die sowohl Hardware als auch Software gut können, sind super selten. Alle unsere Autobauer in Deutschland sind fantastisch, was Mechanik angeht, aber es sind keine Softwarefirmen. Deswegen haben wir ja das Debakel auch bei VW, mit CARIAD und so weiter. Das Dritte ist aber, neben Hardware und Software, die Fähigkeit, Fabriken zu bauen, die hochproduktiv und hocheffizient diese Geräte, diese Roboter produzieren. Und zwar in Masse. Denn nur in Masse hast du überhaupt eine Chance. Make a difference in the world. Und wer kann das denn schon? Boston Dynamics beispielsweise ist eine Forschungseinrichtung. Das ist keine Firma. Die haben fast nie ein marktfertiges Produkt gebaut. Die haben noch nicht einmal Geld verdient in 20 Jahren. Tesla kann Geld verdienen.
Du musst das Produkt eben auf die Straße bringen. Das ist die Kunst.
Ja, du musst es auf die Straße bringen. Und das hat Tesla jetzt so oft bewiesen, dass sie das können. Und Musk hat es mit seinen anderen Unternehmungen so oft bewiesen, dass er das kann. Das spricht für die Aktie. Ich habe allerdings ein großes Problem mit Tesla. Das will ich jetzt hier mal ansprechen. Wir haben ja gehört, dass SpaceX, die ein privates Unternehmen sind, ein anderes privates Unternehmen soeben geschluckt haben. Nämlich xAI.
Sie möchten voraussichtlich im Juni an die Börse gehen. Es soll der größte Börsengang aller Zeiten werden.
Dass sie noch an die Börse gehen wollen, ist ein weiteres Thema. Um damit das Geld zu bekommen für den Bau von Datenzentren im Weltall?
Ja, das liegt doch nahe. Die dauerhafte Finanzierung von xAI ist ein Riesenproblem. Selbst Elon Musk, der ein Experte in Sachen Geldbeschaffung ist, wird große Mühe haben, solche gigantischen Summen aufzubringen. Aber mit SpaceX im Hintergrund als absolut solvente Mutter, geht das dann wahrscheinlich leichter.
Solvent ist das Stichwort. Denn xAI verschlingt natürlich sehr viel Geld. Die ganzen KI-Firmen geben Hunderte Milliarden aus im Jahr und verdienen noch nichts. Google kann sich das leisten, weil sie zu Alphabet gehören und Google hat YouTube und so weiter. Meta kann sich das leisten, weil sie Facebook haben und WhatsApp und Instagram. OpenAI hat es schon schwerer.
Sie sind abhängig von Geldgebern und sogar von ihren Kunden.
Von Geldgebern. Das könnte ich Musk allerdings mit SpaceX auch noch zutrauen. Aber jetzt schauen wir mal, wo liegt das Geld der Zukunft? Das ist doch die entscheidende Frage. Wenn das Geld der Zukunft in der KI liegt und dem Trainieren von KI, denn wir sind ja noch ganz am Anfang. Was ist mit Medizin, neue Heilungen, Krebs zu heilen, RNA und so weiter. Das sind ja alles Felder, wo KI helfen kann und helfen wird. Und auch dafür brauchst du das Trainingscluster. Wenn da das Geld der Zukunft steckt, dann ist SpaceX gut aufgestellt, denn sie können mit Starlink und ihren eigenen Raketen die Satelliten ins All kriegen. Und dann können sie eben im All Datenzentren bauen, weil dort der Betrieb von Datenzentren billiger ist. So die Theorie, wenn du außerhalb der Atmosphäre bist und näher an der Sonne, wo 24 Stunden praktisch die Solarkraft der Sonne angezapft werden kann.
Dabei gibt es aber ein Problem, die kosmische Strahlung, was nicht ganz trivial zu lösen ist.
Das ist wohl richtig, aber da sage ich mir folgendes, solange es physisch nicht unmöglich ist, gibt es einen Menschen, der da bestaufgestellt ist und der schon oft physisch fast nicht mögliche Dinge geschafft hat. Und das ist Elon Musk. Auch wenn man ihn nicht mag als Mensch und viele Probleme hat mit dem Typ, muss man doch neidlos anerkennen, dass er mittlerweile genügend demonstriert hat, zu was er imstande ist. Und welche Experten er um sich scharen kann und wie er auch selber einsteigen kann in die Themen. So, aber haben wir jetzt nicht ein Problem?

Welches?
Dass das Geld abwandert in Richtung SpaceX. Dass die Anleger sagen: Wer hat denn mehr Potenzial in der Zukunft? Wenn jetzt die KI bei xAI liegt und xAI ist jetzt Teil von SpaceX, was bleibt denn noch bei Tesla? E-Autos bauen ist eine Sache der Vergangenheit. Roboter? Ja gut, sind momentan noch bei Tesla. Was ist, wenn Elon Musk morgen sagt, hey Leute, wir splitten den Optimus-Teil ab und alles, was sonst noch KI ist bei Tesla, geht zu SpaceX.
Soll ich dir sagen, was dagegen spricht?
Was denn?
Dagegen spricht das Programm, was der Aufsichtsrat beschlossen hat für Elon Musk. Er erhält 1 Billion Dollar im Jahr 2035, wenn er verschiedene Meilensteine erfüllt, unter anderem so und so viele Roboter baut. Er muss FSD-Abos verkaufen, Teslas bauen und einen Börsenwert von 8,5 Billionen US-Dollar erreichen. Das möchte er doch, oder?Danke.Er will doch seine 1 Billion haben, oder? Oder will er sie nicht haben? Doch, die will er haben, die braucht er ja auch, um den Weltraum weiter zu erforschen. Ich habe ja mal so eine Milchmädchenrechnung erstellt zur Beruhigung von uns Anlegern. Nach dieser Milchmädchenrechnung steigt die Tesla-Aktie, um ein Market Cap von 8,5 Billionen Dollar zu erreichen, von jetzt gut 400 Dollar auf 2.700 Dollar im Jahr 2035. Das bedeutet einen jährlichen Anstieg von reichlich 22 Prozent.
Du hast erst mal recht, und das beruhigt mich. Aber was ist denn mit der Idee, dass Tesla und SpaceX zusammengehen? Was passiert denn dann?
Das ist auch möglich. Ich sage dir, was ein bisschen dagegen spricht. Elon hält an der neuen gemergten Firma SpaceX/xAI etwa 43 Prozent. An Tesla sind es jetzt – inklusive der Aktienoptionen – nur noch 15 Prozent. Sein Peak lag so zwischen 20 und 25 Prozent. Er musste aber für den Twitter-Kauf Tesla-Aktien verkaufen. Eine Vereinigung von SpaceX/xAI mit Tesla würde wohl seinen Einfluss reduzieren. Das will er aber nicht, dafür ist ihm der Weltraum zu wichtig.
Spannend auch, was in einem solchen Fall mit dem Programm für Elon Musk bei Tesla wird. Die Alexandra Merz, @TeslaBoomerMama
auf X, die hat sich damit beschäftigt, die hat ein paar Threads geschrieben dazu. Das ist ja dann Change of ownership, das ist ja dann so ein Event. Das muss ja auch geregelt sein.
Das ist es auch. Ein Merger könnte das Bonusprogramm sogar beschleunigen, weil die Ziele vereint vielleicht schneller erreicht werden könnten. Dagegen spricht, dass Tesla eine Aktiengesellschaft ist und nicht so einfach zu fusionieren ist wie die privaten Firmen SpaceX und xAI.Denkst du, dass der Börsengang im Juni kommen wird?Ja, viele Berichte sprechen explizit von einem Mid-June 2026 IPO. Elon Musk soll den Termin persönlich bevorzugen, möglicherweise aus symbolischen Gründen: Er fällt mit einer seltenen planetaren Konjunktion (Jupiter und Venus) zusammen, die als "planetary alignment" vermarktet werden könnte. Zudem liegt er nahe an Musks Geburtstag am 28. Juni. Ziel ist eine Bewertung von ca. 1,5 Billionen US-Dollar mit einem möglichen Raise von bis zu 50 Milliarden US-Dollar. Das würde den IPO zum größten der Geschichte machen, größer als Saudi Aramco im Jahr 2019. Große Banken wie Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan und Bank of America sind involviert.
Da muss ich weinen, da ich nicht bei Goldman Sachs bin. Denkst du, dass Musk die Tesla-Aktionäre bevorzugt beim Börsengang behandelt?
Das ist schon möglich. Elon Musk hat bereits 2024 gesagt: „If any of my companies goes public, we will prioritize longtime shareholders of my other companies, including Tesla. Loyalty deserves loyalty.“ Das wurde als Versprechen interpretiert, dass langjährige Tesla-Investoren bevorzugt werden könnten – z. B. durch eine kleine Reserve an IPO-Anteilen (5–10 %), die nur für verifizierte Tesla-Retail-Investoren zugänglich sind. Möglich wäre auch, Tesla kauft Anteile im IPO und verteilt sie als Special Dividend an eigene Aktionäre. Aber sicher ist das alles nicht.
Ja, also irgendwas wird er machen. Ich habe angefangen, Tesla-Aktien zu verkaufen. Leider muss ich das, um eben diese Durststrecke der nächsten paar Monate zu überleben. Ich habe das aber getan zu einem günstigen Zeitpunkt. Ja, aber ist jetzt die Frage, wie weiter? Bleibt es bei Tesla grün?
Du kannst doch einen Teil deiner Tesla-Aktien tauschen in SpaceX.
Ja, werde ich wahrscheinlich machen. Aber wenn das alle Retail-Investoren machen, was passiert dann mit der Tesla-Aktie?
Dann schmiert die da ab, das ist nicht gut. Da muss man noch genauer drüber nachdenken. Also, wenn das passiert, dass die Leute Liquidität schaffen mit der Tesla-Aktie, wäre das nicht gut. Aber es kann aber auch das Gegenteil passieren. Anleger hoffen auf Sonderkonditionen für den Börsengang im Juni und kaufen Tesla.
Dann ist die Frage, wie lang man die Tesla-Aktien gehalten haben muss. Wenn das morgen verkündet wird, dass man das so und so viele Monate gehalten haben muss, dann explodiert das natürlich. Aber wow. So viele Fragezeichen.
Wir müssen am Ball bleiben. Wir können ja einfach uns jetzt zurücklehnen und sagen, es wird schon.
Ich habe am Anfang getradet, hin und her, hin und her. Ich habe nur Verluste gemacht, auch wegen den Steuern natürlich. Und irgendwann habe ich gesagt, nee, was soll das? Ich bin jetzt Langzeitinvestor, mein Horizont ist mindestens zehn Jahre. Ich habe 2020 angefangen, habe ein Großteil meines damaligen bescheidenen Vermögens in Tesla gesteckt, habe es nicht bereut. Ich habe es bisher verdoppeln können, fast verdreifachen.
Ich war ganz früh dabei. Im Sommer 2015 habe ich - sehr bescheiden - Tesla-Aktien für 13,20 das Stück gekauft. Rechnet man die beiden späteren Aktiensplits heraus, wären das 5,70 Euro etwa. Statt sie zu halten, habe ich sie wieder verkauft und dann wieder gekauft, so wie Du. Hin und her macht Taschen leer.
Das habe ich dann irgendwann auch gerafft und aufgehört. Und das Beste ist ein Sparplan, ein monatlicher Sparplan.
So wird man Millionär. Noch eine Milchmädchenrechnung, die aber wirklich stimmt: Wenn ich im Alter von 20 Jahren starte und 264 Euro monatlich in einen MSCI-World-ETF einzahlen, bin ich zur Rente mit 65 Millionär. Hätten wir so machen sollen, oder?
Hätte, hätte. Aber wir geben die Idee sehr gern an andere weiter.
Interview: Ulf Mallek
Teil 1 des Interviews lesen Sie hier, Teil 2 hier, Teil 3 hier und Teil 4 hier.
Das Youtube Video von TeslaTobi zum interview finden Sie hier (Teil 1) und hier (Teil 2).