Börse Coswig: Wie politisch ausgewogen ist die Tagesschau?
Alexander Teske bei einer Lesung in Heidelberg. Foto: privat
Vor einem Jahr erschien Alexander Teskes Buch "Inside Tagesschau". Es löste Debatten über Nähe zwischen Politik und Medien, den Osten und die Auswahl von Experten aus.
Vor einem Jahr veröffentlichte Alexander Teske sein Buch "Inside Tagesschau", in dem er seine sechs Jahre als Redakteur der Nachrichtensendung verarbeitet. Das Werk beschreibt, wer in Deutschlands wichtigster Nachrichtensendung das Sagen habe, welche Beiträge Eingang fänden und welche Themen ausgegrenzt würden. Teske kritisiert ein vermeintliches Desinteresse an Ostdeutschland und moniert eine politische Unausgewogenheit in der Berichterstattung. Am Sonntag liest Teske in der Börse Coswig.
Das Buch legt den Schwerpunkt auf redaktionelle Entscheidungen, die Auswahl von Expertinnen und Experten sowie die enge Verflechtung von Politik und Medien, wie sie Teske schildert. Er berichtet von internen Abläufen, von Kuratierungsmechanismen und von Diskussionen darüber, welche Meldungen in die Hauptausgabe der Tagesschau gelangen. Seine Darstellung hat in Medien und in Fachkreisen Debatten ausgelöst, insbesondere über die Balance zwischen journalistischer Distanz und institutionellen Beziehungen.
Vor seiner Zeit bei der Tagesschau arbeitete Teske 15 Jahre als Nachrichtenredakteur beim MDR. Diese Erfahrung prägt seine Darstellung und erklärt teilweise die Kritik, die er an Strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks übt. Seit der Veröffentlichung schreibt er regelmäßig für die taz, den Freitag und die Berliner Zeitung. Zudem hat er mit drei weiteren ehemaligen ÖRR-Redakteuren den Podcast "Sachlich richtig" initiiert, der inzwischen Teil der neuen Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung ist, die am Freitag zum ersten Mal erscheinen soll.
Seit der Veröffentlichung ist Teske mit seinem Buch unterwegs: Fast 50 Veranstaltungen fanden bisher in Städten wie Berlin, Hamburg und Karlsruhe statt. In vielen Abenden suchte er den direkten Austausch mit dem Publikum. Manche Veranstaltungen dauerten bis zu drei Stunden, weil es stets zahlreiche Fragen gab — etwa zum MDR, zur Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks allgemein oder zum Aufstieg alternativer Medienplattformen.
Auf den Lesungen und Podien standen wiederkehrend Themen wie Expertenauswahl, politische Gewichtung in den Nachrichtensendungen und die Besonderheiten ostdeutscher Berichterstattung auf der Agenda. Teske betont, dass es bei seinen Schilderungen weniger um einzelne Personen als um strukturelle Fragen gehe. Kritiker werfen ihm vor, Einzelfälle zu verallgemeinern. Befürworter sehen in seinen Darstellungen Hinweise auf notwendige Reformen.
Am Sonntag liest Alexander Teske in der Börse in Coswig. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Er wird lesen, erzählen, Fragen beantworten und im Anschluss Bücher signieren. Die Karten kosten 15 Euro. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass ausreichend Zeit für Publikumsfragen eingeplant ist.
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