Die Dresdnerinnen und Dresdner sind immer häufiger zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Laut der aktuellen Studie zum werktäglichen Verkehrsverhalten (SrV 2023) hat sich der Anteil des Pkw-Verkehrs am gesamten Wegeaufkommen seit 2003 von 43 auf 29,4 Prozent deutlich verringert. Gleichzeitig ist der Anteil der Fußwege auf 33,8 Prozent gestiegen, der Radverkehr hat sich von 11 auf 16,1 Prozent erhöht. Auch der ÖPNV legte zu – von 18,3 auf 20,6 Prozent. Die durchschnittliche Wegelänge ist dabei von 6,8 auf 4,8 Kilometer gesunken: Die Menschen bewegen sich kleinräumiger, nachhaltiger und gesünder durch die Stadt.
Diese Entwicklung ist kein Zufall – sie ist auch das Ergebnis gezielter Investitionen. 2026 stellt die Landeshauptstadt Dresden insgesamt 8,4 Millionen Euro für den Ausbau von Fuß- und Radwegen bereit. 4,6 Millionen Euro fließen in den Fußverkehr, 3,8 Millionen Euro in den Radverkehr, davon 1,4 Millionen aus Fördermitteln. Weitere Mittel kommen im Rahmen größerer Bauvorhaben hinzu, etwa bei der Stauffenbergallee, der Campuslinie oder der Königsbrücker Straße.
Paula Scharfe (Fachreferentin für Nahmobilität und Verkehrssicherheit), Simone Prüfer (Leiterin des Straßen- und Tiefbauamts) und Baubürgermeister Stephan Kühn (v.l.n.r.) stellten am Mittwoch die Pläne für den Fuß- und Radverkehr in Dresden vor. Foto: CdH
Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn erklärte am Mittwoch auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz die Prioritäten: „Kinder und Jugendliche sind mit 55 Prozent aller Wege die Altersgruppe, die am häufigsten zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist. Bei Investitionen in Fuß- und Radverkehr hat die Schulwegsicherheit daher oberste Priorität. Gleichzeitig zeigen die Auswertungen der Blitzer: Auch vor Schulen und Kindergärten, wo häufig Tempo 30 gilt, mangelt es an Rücksichtnahme. Hier helfen Kontrollen, aber auch unsere Investitionen in neue Querungsstellen, Zebrastreifen und sichere Radwege."
Sicherere Schulwege – konkret und stadtweit
Grundlage für die Schulwegsicherheit ist ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2021, auf dessen Basis alle Dresdner Grundschulen systematisch untersucht wurden. Fünf Standorte mit der höchsten Gefährdungslage stehen nun besonders im Fokus: die 4. Grundschule (Löwenstraße), die 8. Grundschule (Konkordienstraße), die 35. Grundschule (Bünaustraße), die 95. Grundschule (Donathstraße/Troppauer Straße) und die 103. Grundschule (Hohnsteiner Straße/Forststraße). Bereits im Frühjahr 2026 werden dort kurzfristige Maßnahmen umgesetzt: markierte Gehwegvorstreckungen, „Elterntaxi"-Haltestellen und zusätzliche Fahrradabstellanlagen. Bauliche Umgestaltungen und neue Fußgängerüberwege folgen ab 2027.
Ein Beispiel für die anlaufenden Maßnahmen: Ab dem 2. März entsteht auf dem Dammweg in Höhe Lößnitzstraße in Dresden-Neustadt ein neuer Fußgängerüberweg mit Mittelinsel – für einen sicheren Schulweg zur 148. Grundschule und zur Beseitigung einer bekannten Unfallhäufungsstelle. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Mitte April. Während dieser Zeit ist der Dammweg halbseitig gesperrt und wird im Kreuzungsbereich als Einbahnstraße in südliche Richtung geführt. Der Kfz-Verkehr stadteinwärts wird über Lößnitzstraße, Königsbrücker Straße und Bischofsweg umgeleitet. Fußgänger werden sicher durch den Baustellenbereich geleitet; Radfahrer nutzen stadteinwärts den Fußweg, stadtauswärts die Fahrbahn. Nach Fertigstellung gilt eine neue Vorfahrtsregelung: Der Straßenzug Dammweg/Dr.-Friedrich-Wolf-Straße wird zur Hauptstraße, die Lößnitzstraße wird wartepflichtig. Baukosten: rund 85.000 Euro.
Auch rund um das Gymnasium LEO in Seidnitz/Dobritz laufen seit Februar 2026 Arbeiten an der Bodenbacher Straße zwischen Dobritzer Straße und Paracelsusstraße: Gehwege werden verbreitert, eine zusätzliche Mittelinsel und eine neue Querungshilfe auf Höhe der Prof.-Ricker-Straße eingerichtet. Fertigstellung ist für Mai 2026 geplant, Baukosten: 750.000 Euro. Am Knotenpunkt Winterbergstraße/An der Rennbahn/Dobritzer Straße entsteht von April bis August 2026 zudem eine neue Knotenpunktampel, die insbesondere den querenden Radverkehr sicherer macht, eine Unfallhäufungsstelle beseitigt und den Schulweg für Schülerinnen und Schüler des Gymnasium LEO verbessert – Baukosten: 1,0 Million Euro.
An der Altenberger Straße/Hausdorfer Straße in Tolkewitz/Seidnitz-Nord verbessert die Stadt von März bis Juli 2026 den Schulweg zur Freien Evangelischen Schule mit Fahrbahnumbau, neuer Ampelanlage und barrierefreien Querungsstellen (471.000 Euro).
Sieben neue Zebrastreifen
Stadtweit entstehen 2026 außerdem sieben neue Fußgängerüberwege – unter anderem am Dammweg/Lößnitzstraße, an der Glacisstraße in Höhe des Heinrich-Schütz-Konservatoriums, auf der Schönfelder Landstraße in Höhe Zum Turmberg, an der Bernhardstraße/Plauenscher Ring, an der Rehefelder Straße/Robert-Matzke-Straße, auf der Pirnaer Landstraße in Höhe der Montessori-Grundschule sowie an der Rosa-Menzer-Straße nahe der 51. Grundschule. Dazu kommen zahlreiche Querungshilfen und Gehwegvorstreckungen, etwa auf der Münchner Straße (13 Gehwegvorstreckungen zwischen Bayreuther und Bienertstraße, Kosten: 250.000 Euro) und der Pappritzer Straße (Mittelinsel mit Radquerung in Höhe Zachengrundring, Kosten: rund 300.000 Euro).
Gehwegsanierungen für mehr Barrierefreiheit und Sicherheit sind unter anderem auf der Blüherstraße, der Gutenbergstraße, der Hepkestraße, der Keglerstraße, der Königsteinstraße, der Toeplerstraße, der Wilhelm-Raabe-Straße, der Leipziger Straße und der Altnossener Straße geplant. Am Leisniger Platz beim S-Bahnhof Pieschen werden bis Mai 2026 Querungshilfen, eine barrierefreie Bushaltestelle und neue Radabstellanlagen errichtet (670.000 Euro). Auch die Straßenbeleuchtung wird modernisiert: 1,5 Millionen Euro fließen 2026 in LED-Umrüstungen und intelligente Lichtsteuerung, unter anderem am Käthe-Kollwitz-Ufer mit verkehrsabhängiger Lichtsteuerung zum Schutz des angrenzenden Fauna-Flora-Habitats.
Radverkehr: Neue Routen, mehr Abstellplätze, ein Parkhaus
Die Daten sprechen für sich: Entlang der Radroute Ost wurden bei Verkehrszählungen bis zu 1.500 Radfahrende pro zehn Stunden gezählt. Auswertungen des Stadtradelns zeigen, dass die Route inzwischen ähnlich stark frequentiert wird wie der Elberadweg. Paula Scharfe, Fachreferentin für Nahmobilität und Verkehrssicherheit, zieht ein positives Fazit: „Die Verkehrsdaten zeigen: Die Radroute Ost hat sich bewährt. In diesem Jahr wird nun der letzte, östliche Abschnitt der Radroute auf der Kipsdorfer Straße zwischen Altenberger Straße und Schulcampus Tolkewitz angelegt. Das umfasst die Einrichtung der Fahrradstraße sowie die Herstellung weiterer Gehwegvorstreckungen. Aufgrund der guten Erfahrungen widmen wir uns ab diesem Jahr auch der Umsetzung der Radroute Dresden Süd."
Die Bauarbeiten für den letzten Abschnitt der Radroute Ost auf der Kipsdorfer Straße laufen von Juni bis Oktober 2026. Neben der neuen Fahrradstraße entstehen Gehwegvorstreckungen an fünf Knotenpunkten. Baukosten: 995.000 Euro.
Parallel starten die Vorarbeiten für die Radroute Dresden Süd: Am Knotenpunkt Budapester Straße/Wielandstraße in der Südvorstadt West werden Radverkehrsanbindungen in die Wieland- und die Hohe Straße geschaffen, die perspektivisch zur Fahrradstraße werden sollen. Außerdem wird eine neue Rad- und Fußverkehrsquerung über die Budapester Straße mittels Lichtsignalanlage ergänzt. Baukosten: 520.000 Euro.
Neue Abstellbügel für 200 Fahrräder
Weitere Radverkehrsmaßnahmen im Überblick: Auf der Reicker Straße/Altreick/Mügelner Straße werden 2026 im Abschnitt zwischen Gamigstraße und Prohliser Straße neue Radverkehrsanlagen eingerichtet, die Fahrbahndecke erneuert und alle Lichtsignalanlagen angepasst. Auf der Heidestraße in Pieschen (zwischen Großenhainer Straße und Maxim-Gorki-Straße) wird von April 2026 bis März 2027 die Fahrbahndecke im Rahmen von Leitungsarbeiten der SachsenEnergie erneuert. Auf der Kesselsdorfer Straße in Gorbitz-Süd/Naußlitz zwischen Julius-Vahlteich-Straße und Autohaus werden Schutzstreifen markiert (50.000 Euro). An der Fetscherstraße zwischen Fiedlerstraße und Blasewitzer Straße in Striesen/Johannstadt werden im Sommer 2026 die Querschnitte neu organisiert und ein Radfahrstreifen eingerichtet (25.000 Euro). Auf der Stauffenbergallee zwischen Hammerweg und Rudolf-Leonhard-Straße entstehen Radfahrstreifen und Schutzstreifen in beide Richtungen sowie neue Querungsstellen – Baukosten rund 2,9 Millionen Euro. Für mehr Sichtbarkeit werden zudem Rotmarkierungen an elf Standorten im Stadtgebiet aufgebracht. Nachdem im vergangenen Jahr 24 neue Abstellmöglichkeiten für mehr als 460 Fahrräder geschaffen wurden, sollen 2026 nun 16 weitere mit rund 200 Einstellmöglichkeiten sowie zehn neue Lastenradstellplätze hinzukommen.
Ein besonderer Meilenstein ist das neue Fahrradparkhaus am Bahnhof Dresden-Neustadt auf dem Schlesischen Platz: Ab Juni 2026 wird dort ein Parkhaus mit 803 Fahrradstellplätzen gebaut – teilweise mit Lademöglichkeit für E-Bikes, darunter 9 Lastenradplätze und 12 Fahrradboxen. Hinzu kommen 92 Schließfächer, 40 davon mit Lademöglichkeit. Fertigstellung ist für Oktober 2027 geplant. Die Förderung durch den Bund beträgt 2,4 Millionen Euro, der Eigenanteil der Stadt liegt bei rund 1,47 Millionen Euro. Ergänzend entstehen im Rahmen des MOBI B+R-Programms an neun Dresdner Bahnhöfen insgesamt 216 gesicherte Radabstellplätze sowie 108 überdachte Abstellplätze, gefördert mit bis zu 85 Prozent durch Bund und VVO. Die ersten Anlagen sollen ab dem dritten Quartal 2026 in Betrieb gehen.
Verbesserungen für den Elberadweg
Auch der Elberadweg wird weiterentwickelt: In Übigau erfolgt im Rahmen der Deichertüchtigung der Ausbau des rechtselbischen Radwegs zwischen Autobahn- und Flügelwegbrücke voraussichtlich bis 2027. Die anschließenden Abschnitte elbaufwärts bis Pieschen folgen bis 2030. In Johannstadt laufen vorbereitende Umweltuntersuchungen für eine Erweiterung, in Niederpoyritz befinden sich zwei Abschnitte im Bebauungsplanverfahren.
Für die Zukunft arbeitet Dresden außerdem an Radschnellwegen: Die Vorstudien für die Verbindungen R4 Radeberg–Dresden, R6 Pirna–Dresden und R8 Freital–Dresden sollen 2026 abgeschlossen werden. Für die Strecke vom Bahnhof Dresden-Neustadt nach Klotzsche starten die Vorplanungen voraussichtlich ab April/Mai 2026.
Simone Prüfer, Leiterin des Straßen- und Tiefbauamts, fasst zusammen: „Für 2026 stehen insgesamt 3,8 Millionen Euro für den Radverkehr, davon 1,4 Millionen Fördermittel, und 4,6 Millionen Euro für den Fußverkehr zur Verfügung. Dazu kommen weitere Mittel für den Rad- und Fußverkehr, die im Rahmen von komplexen Bauvorhaben umgesetzt werden – so zum Beispiel bei der Stauffenbergallee, die bald fertiggestellt wird, oder auch bei der Campuslinie oder der Königsbrücker Straße."