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Bürgerthemen sichtbar machen - auf dem Weg zum Bürgerjournalisten

In der Volkshochschule Delitzsch fand der zweite Workshoptermin statt/ Linda Krämer
In der Volkshochschule Delitzsch fand der zweite Workshoptermin statt/ Linda Krämer

Die Universität Leipzig hat ein neues Projekt gestartet: In „Bürger machen Journalismus“ werden sachsenweit Bürger in journalistischer Schreibe geschult. Die Hoffnung: Mehr lokale Geschichten aus den entlegenen Winkeln Sachsens.


Am Samstag, den 17. Januar, fand im Soziokulturellen Zentrum Delitzsch der erste Termin zum Workshop „Bürger machen Journalismus“ statt. Menschen ab 18 Jahren, wohnhaft in Nordsachsen, mit Interesse am Medien machen waren zur Teilnahme aufgerufen, um in einem Zeitraum von drei Monaten fachpersonalbetreut zu lernen, wie man Beiträge recherchiert, gestaltet und in verschiedenen Medien sichtbar macht.

Die Grundidee: Lokale Themen auf den Tisch bringen, die von der Presse nicht aufgegriffen werden , „normale“ Menschen zu Produzenten mit einem gewissen Qualitätsanspruch zu machen, anstatt nur zu Konsumenten. Und damit auch das Vertrauen in Medien generell zu stärken.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Universität Leipzig, die dazu auch forscht und unter anderem mit der Nachrichtenwerkstatt kooperiert. Die Finanzierung stemmt die Volkswagenstiftung. Für die Teilnehmenden ist der Workshop kostenlos.

Pilotenrunde

In Delitzsch trudeln an diesem Samstag sieben Personen ein. Mit Dozentin Gundula Lasch acht. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der ursprünglich angesetzte Termin wegen zu geringer Nachfrage nicht zustande kam. Zusammen mit Zwenkau ist dies das Pilotprojekt, auf das sich alle zukünftigen Kurse stützen werden. Bis 2029 sollen sachsenweit bis zu 70 solcher Bürgerjournalismusgruppen aufgebaut werden.
Es gibt grobe Richtlinien, aber noch nichts ausgeklügeltes und so beginnt die Veranstaltung mit Kaffee, Obst und einer Vorstellungsrunde. Es sind ganz „normale“ Leute, zwischen 35 und 60 Jahre alt, im Beruf stehend, die meisten haben Kinder. Und Themen aus ihrem Lebensumfeld, die ihnen unter den Nägeln brennen und über die nach Wunsch öffentlich berichtet werden soll. Halb Nordsachsen sitzt hier am Tisch - die Teilnehmenden kommen aus Torgau, Bad Düben, Delitzsch, Markkleeberg und Schkeuditz. Am Ende des Kurses sollen sie alle einen veröffentlichbaren Text vorweisen können.

Der weitere Fahrplan

Es folgen knappe Theorieeinheiten, beispielsweise die Grundprinzipien journalistischer Arbeit, die auf dem Pressekodex fußen. Es geht um Sorgfalt, Genauigkeit, Ausgewogenheit. Um die nötige Distanz und Objektivität. Und wie schwierig all das sein kann. Es wird erzählt, nachgehakt, diskutiert - der Austausch könnte lebendiger nicht sein.
Zum Schluss bekommt jeder Teilnehmende noch die Hausaufgabe, sich bis zum nächsten Treffen ein konkretes Thema zu überlegen, das er den restlichen Kurs über bearbeiten möchte. Dieses wird dann im zweiten Workshop näher eingekreist - woran orientiere ich mich, was will ich denn eigentlich sagen? Was, wer, wo... die W-Fragen sind der Kompass, das Gerüst, sie müssen in jeder Textform beantwortet werden. Das heißt für jeden Schreiberling: Was habe ich und welche Information fehlt noch für meinen Text? Wie bringe ich sie in Erfahrung? Welche Text-/Medienform eignet sich am besten für das Thema?
All die Fragen und Schwierigkeiten, die jetzt beim aktiven Schreiben auftauchen, sei es in der Recherche, im Textaufbau usw. werden in den nun stattfindenden Redaktionssitzungen besprochen. Bis am Ende dann der fertige Text steht.

Dieser verschwindet zum Glück dann nicht in einem vergessenen Ordner auf dem Laptop, sondern werden auf der Bürgerjournalisten-Plattform sowie hier auf diesachsen.de veröffentlicht.

Aktuell werden noch bis zum 28.02.2026 Teilnehmende für den Landkreis Görlitz gesucht. Mehr Infos auf: buergerjournalsimus-sachsen.de